Das Problem mit der Boeing-Aktie | Analyse

Das Problem mit der Boeing-Aktie | Analyse

In Verbindung mit der Boeing-Aktie von „dem“ Problem grenzt eigentlich schon an eine Untertreibung. In Wahrheit lassen sich in Sachen Boeing eine ganze Menge Probleme ausmachen, die einem den Spaß an der Aktie verderben können.

In diesem Artikel möchte ich kurz auf die Hauptprobleme eingehen, die ich bei Boeing sehe und dann ein paar Gründe benennen, die dafür gesorgt haben, dass ich mir trotzdem zum Jahreswechsel eine Position ins Depot gestellt habe.

737 MAX, die FAA, Whistleblower, ein Handelskrieg uvm. – Die Leiden der Boeing-Aktie

In den ersten Tagen dieses Jahres ist klar geworden, Airbus hat Boeing bei den Flugzeug-Auslieferungen im Jahr 2019 deutlich hinter sich gelassen und beansprucht damit den Spitzenplatz als weltgrößter Flugzeugbauer. Die Ursachen dessen sind nicht besonders vielfältig, ihre Folgen dafür aber umso vielgestaltiger.

Das 737 MAX Debakel und dessen Folgen

Jeder der sich mehr als 5 Minuten mit der Aktie beschäftigt hat oder die Nachrichten im letzten Jahr verfolgt hat, weiß von den beiden Abstürzen von Boeings neuem 737 MAX Modell, deren Ursprung eine fehlerhafte Steuerungssoftware war. Als Reaktion auf diese Ereignisse folgte ein weltweites Flugverbot der Boeing 737 MAX.

Neben der menschlichen Tragödie, die diese Abstürze darstellen, ist das folgende Flugverbot auch für Boeing eine Katastrophe. Einige der gravierendsten Folgen:

  • Da die Bestellungen der Boeing 737 MAX einen sehr großen Anteil an den Gesamtbestellungen von Boeing-Flugzeugen ausmachen, kam es im letzten Jahr natürlich zu einem ausgesprochen starken Umsatzeinbruch im Vergleich zum Vorjahrboeing. Im Q3 2019 musste Boeing einen Umsatzeinbruch von 21% im Vergleich zum Vorjahresquartal hinnehmen. Die Flugzeuge mussten eingelagert werden und einige Bestellungen wurden sogar storniert. Die Aussichten für den Bericht des Q4 2019 ebenso unschön aussehen. Wer sich das genauer ansehen möchte, findet hier den Quartalsbericht.
  • Neben dem Umsatzeinbruch hat Boeing im Zuge der 737 MAX-Affäre natürlich auch einen extremen Image-Schaden erlitten. Nicht nur die fehlerhafte Software ist kritikwürdig, sondern auch Boeings Handhabung der ganzen Angelegenheit. Im Zuge der Affäre wendeten sich auch Whistleblower aus dem Qualitätsmanagment von Boeing und prangerten öffentlich die schlechte Fehlerkultur im Boeing-Konzern an.
  • Ein weiteres Problem, dass aus den Abstürzen der beiden Boeing-Flugzeuge erwächst, ist dass es scheint, als würde Boeing es nicht schaffen ein zusätzliches Training für Piloten zu umgehen. Um das zu verstehen muss man wissen, dass sich Boeing über Jahre dadurch ausgezeichnet haben, dass Piloten keine oder kaum spezielle Schulungen benötigten um auf diesen Jets eingesetzt werden zu können. Da diese Ausbildungen sehr teuer für die Fluglinien sind, griffen viele Fluglinien lieber zu Flugzeugen von Boeing als von Airbus (Airbus setzt auf ein sehr modernes Cockpit, für das viele Piloten nicht ausgebildet sind). Diesen Vorteil könnte das Modell 737 MAX nun einbüßen, wenn sich die Behörden für ein verpflichtendes Training von Piloten entscheiden.

Sonstige Probleme von Boeing

Neben dem Problem mit der Boeing 737 MAX gab es im Jahr 2019 aber auch noch ein eher allgemeines Problem für die amerikanische Wirtschaft, vor dem auch Boeing nicht gefeit ist. Der Handelskrieg des Donald Trump mit China. Es bleibt abzuwarten ob sich die Lage in diesem Konflikt im Jahr 2020 entspannen wird. Ich persönlich denke aber, dass wir auf jeden Fall einige Fortschritte sehen werden, da der Druck auf Trump wächst und er dringend Erfolge vorweisen muss.

Infolge der Abstürze in den Hintergrund geraten sind außerdem Boeings Probleme mit der WTO. Diese wirft den USA und Boeing illegale Subventionen des Unternehmens vor. Ein Vorwurf, den die USA in Sachen Airbus übrigens auch gegenüber der EU erheben.
Inwiefern diese Vorwürfe folgen haben werden, lässt sich nur sehr schwer abschätzen, da die Verträge von Boeing mit den USA vorallem Rüstungsgüter betreffen und eine illegale Subvention von Boeing seitens der USA nur sehr schwer nachweisbar ist.


Wieso Boeing für mich trotzdem ein Kauf ist

Die Probleme, die Boeing im Moment hat, klingen erstmal ziemlich ernst. Und das sind sie meiner Meinung nach auch. Allerdings lassen sich diese Probleme auf einige wenige Ursachen zurückführen.

Den Problemen gegenüber stehen einige Fakten, die Boeing für mich als Buy’n’hold-Investment besonders interessant machen.

  • Boeing zahlt eine nicht eben geringe Dividende.
  • Dem letzten Quartalsbericht ist zu entnehmen, dass Boeing noch offene Bestellungen von annähernd 5500 Flugzeugen in den Büchern hat. Der komplette Backlog beläuft sich auf 470 Milliarden Dollar (siehe Quartalsbericht Q3 2019). Der Umsatz für die nächsten Jahre scheint also durchaus gesichert zu sein.
  • Boeing ist eines weinigen Unternehmen weltweit, das über Expertise im Space-Sektor verfügt. Damit ist Boeing ein Akteur in einem rasant wachsenden Markt. Solange der Börsengang von SpaceX noch nicht in Sicht ist, ist Boeing eine der seltenen Möglichkeit eine Position in dieser Branche aufzubauen. Funfact: Boeing hat sowohl die Mondautos der Mondmissionen, als auch eine Stufe der Saturn V, der bis heute größten Rakete der Menschheitsgeschichte, gebaut.
  • Boeing ist integraler Bestandteil der US-Wirtschaft. Erst vor einigen Tage, hat der Wirtschaftsminister der USA verlautbaren lassen, dass die Probleme bei Boeing in 2019 sich signifikant negativ auf das BIP der USA in diesem Jahr auswirken werden. Diese enge Verzahnung mit der US-Wirtschaft hat meiner Meinung nach den Vorteil, dass man davon ausgehen kann, dass Boeing auch weiterhin sehr wohlwollend von der US-Regierung behandelt wird. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Boeing in den USA sehr umfangreiche Lobbyarbeit leistet.
  • Bei der strategischen Ausrichtung hat Boeing bisher viel Sachverstand bewiesen. So hat das Unternehmen zum Beispiel deutlich vor Airbus erkannt, dass in Zukunft ein Direktverbindungsprinzip in der zivilen Luftfahrt über das Drehkreuzprinzip siegen wird. Das hat dazu geführt, dass Boeing schon früh auf eher kleine Jets mit hoher Reichweite und geringem Verbrauch gesetzt hat, während Airbus an der Prestigeprojekt A380 festgehalten hat, das nun im Jahre 2021 eingestampft werden soll.
  • Auch wenn ich kurzfristig noch mit dem ein oder anderen Rücksetzer rechne, glaube ich doch dass Boeing mit dem neuen CEO Calhoun auf einem guten Weg ist aus den früheren Fehlern zu lernen. Wenn dann auch noch das Flugverbot der 737 MAX aufgehoben wird, gehe ich davon aus, dass sich der Kurs wie eine gespannte Feder der restlichen Marktentwicklung angleichen wird. Schließlich ist Boeing einer der weinigen wirklich großen Dividenden-Werte, die 2019 nicht wirklich gewachsen sind.

Schlechte Nachrichten – Gute Einstiegskurse

Es lassen sich sicherlich noch einige Argumente für oder gegen die Boeing-Aktie finden, für mich ist sie aber schon nach den oben genannten Punkten ein guter Kandidat für eine Beteiligung am Duopol der Luftfahrt. Selbst wenn die Aktie dieses Jahr noch keinen Kurssprung erlebt, bin ich doch fest davon überzeugt, dass man in 5 Jahren von Einstiegskurse im Bereich von 300 Euro nur noch träumen kann.


Disclaimer: Ich gebe hier natürlich nur meine Meinung zum Besten. Das ist keine Anlageberatung. Ich handele als Privatanleger.

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